60 Jahre DAeK

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2. Begegnungsabend der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft evangelischer Kirchen (DAeK) am 04.09.2017 Berlin

1957 – 2017: 60 Jahre DAeK

Vor einem Jahr hatte der Vorstand der DAeK zu einem ersten Begegnungsabend am Vorabend der Mitgliederversammlung eingeladen. Es war und es ist unsere erklärte Absicht, die jährliche Mitgliederversammlung durch Begegnungsabende mit thematischem Inhalt zu erweitern. Damit soll die Verbundenheit zwischen den Mitgliedern der DAeK und den darin vertretenen Kirchen vertieft werden.

Mit der Einladung in diesem Jahr verbinden wir zugleich den 60. Geburtstag der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft evangelischer Kirchen. Weder eine Festbroschüre wie 1997 noch ein Festgottesdienst wie 2007, sondern Rückblick und Ausblick auf 60 Jahre der Zusammenarbeit im großen Konzert der Diakonie Deutschland und Brot für die Welt im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung (EWDE).

Rückblick

2015 hatte ich im Rahmen dieses Begegnungsabends im Dietrich-Bonhoeffer-Haus über die Anfänge der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft evangelischer Kirchen berichtet. Die 1997 vom damaligen Geschäftsführer Pastor Gotthard Schüttel erstellte Broschüre ist nach wie vor eine historische Fundgrube.

Die Diakonische Arbeitsgemeinschaft ist ein Kind der Nachkriegsentwicklungen in Deutschland. Die Zusammenarbeit der Kirchen im damaligen Evangelischen Hilfswerk hatte den Weg geebnet, der letztlich 1957 im Rahmen der Vereinigung von Hilfswerk und Innerer Mission hin zum späteren Diakonischen Werk auch die Mitwirkung der evangelischen Freikirchen und der altkonfessionellen Kirchen organisatorisch zu regeln. Die Diakonische Arbeitsgemeinschaft ist darauf die Antwort gewesen.

Zugegeben, die Diakonische Arbeitsgemeinschaft ist eine nicht ganz einfache Konstruktion. In ihr sind mittlerweile neun verschiedene Kirchen, die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), der Verband freikirchliche Diakoniewerke (VfD) und das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung (EWDE) zusammengebunden. Diese Rechtskonstruktion ist immer wieder erklärungsbedürftig.

Doch wenn es diese Verfassungsform nicht gäbe, müssten wir sie heute erfinden. So zersplittert die evangelische Kirchenlandschaft in unserem Land ist, so eng arbeiten wir umgedreht in der nationalen und internationalen Diakonie zusammen. Die Diakonie Deutschland vertritt zugleich auch die Interessen der Diakonie der evangelischen Freikirchen. Brot für die Welt, als das große Dach für die Entwicklungshilfeorganisation, st auch für die Mehrzahl der evangelischen Freikirchen die Organisation, die sie mit erheblichem Spendenaufkommen unterstützen.

Diese bewährte Form der Zusammenarbeit hat sich bei allen strukturellen Veränderungen der zurückliegenden Jahre und insbesondere im Fusionsprozess zum Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung bewährt. Heute sind satzungsgemäß die evangelischen Freikirchen in der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft mit insgesamt zehn Sitzen in der Konferenz Diakonie und Entwicklung vertreten. Je ein Vertreter aus der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft sitzt im Ausschuss für Diakonie und dem Ausschuss für Entwicklungsdienst und humanitäre Hilfe. Im Aufsichtsrat des neuen Werkes haben zwei Vertreter der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft Sitz und Stimme und im Geschäftsführenden Ausschuss des Aufsichtsrates ist ein Platz dem Vertreter der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft vorbehalten.

Damit ist strukturell gesichert, dass die diakonischen Aktivitäten im nationalen und internationalen Bereich in den Mitgliedskirchen der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft immer mit eingebunden sind in die Strukturen des EWDE und in die Vertretung durch das EWDE. Und nicht zu vergessen: Der Haushalt der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft wird wesentlich getragen von seinem großen Mitglied, dem EWDE.

Auch wenn wir derzeit eine Vakanz in der Geschäftsführung der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft haben, war und ist doch die Bürotätigkeit der DAeK immer eng verbunden mit dem Präsidialbereich des EWDE. In all dem drückt sich auch eine Wertschätzung der Zusammenarbeit und der Zusammengehörigkeit aus.

Diese gewachsene vertrauensvolle Zusammenarbeit hat sich wahrnehmbar niedergeschlagen. So hatte beispielsweise die Diakonische Arbeitsgemeinschaft 2005 die Verantwortung für den Fernsehgottesdienst zur Eröffnung der Aktion Brot für die Welt, der am 1. Advent in Herrnhut stattfand.

2014 fand der Eröffnungsgottesdienst der Konferenz Diakonie und Entwicklung in Bremen in der evangelisch-freikirchlichen Kreuzgemeinde  statt.

Und 2015 lag die Verantwortung für den Eröffnungsgottesdienst der Konferenz in den Händen der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft.

Die DAeK hat die Bildungslandschaft in der Diakonie bereichert mit dem Diakonischen Grundkurs, der damals maßgeblich unter der Leitung von Dr. Astrid Giebel entwickelt worden ist. Im Mai 2017 ist der bisher letzte Kurs gerade beendet worden. Haupt- und Ehrenamtliche in der Diakonie aus den Freikirchen und den Landeskirchen haben dieses Kursprogramm durchlaufen.

Mit zwei Faltblättern hat die DAeK sich 2015 sowohl für den Bereich der Diakonie Deutschland als auch für den Entwicklungsdienst Brot für die Welt eigenständig vorgestellt. Und für das Reformationsjubiläum 2017 konnte ein Themenheft zur „Gerechtigkeit“ als eigenständiger Beitrag der DAeK platziert werden, der über den Zentralen Vertrieb des EWDE weiterhin zu beziehen ist

Zwei sehr variabel einsetzbare Bildausstellungen sind über den Vertrieb des EWDE ebenso verfügbar, die die bisherige Geschäftsführerin Frau Dr. Beschnidt konzipiert hat.

Ich lasse es dabei bewenden. Gemessen an der Kleinheit der Geschäftsstelle und den ehrenamtlichen Aktivitäten des Vorstandes ist das durchaus eine bemerkenswerte Bilanz der zurückliegenden Jahre.

Ausblick

Mit der ersten Sitzung der neuen Konferenz Diakonie und Entwicklung am 18. Oktober 2012 war zum Einen der Fusionsprozess von Diakonischen Werk der EKD, Brot für die Welt mit der Diakonie Katastrophenhilfe und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) abgeschlossen worden. Seitdem datiert das neue Zeitalter, dass nationale und internationale Diakonie unter einem Dach im neuen Verwaltungsgebäude des EWDE in Berlin-Mitte zusammengefasst sind. Der Fusionsprozess ist damals von einer eigenen Arbeitsgruppe der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft begleitet worden.

Jetzt, fünf Jahre später wird momentan die in der damaligen Satzung des EWDE verankerte Evaluation der Satzung abgeschlossen. Die bevorstehende Konferenz Diakonie und Entwicklung im Oktober des Jahres in Nürnberg soll die vorgeschlagenen Satzungsänderungen beschließen. In der eigens dafür eingesetzten Arbeitsgruppe zur Satzungsevaluation ist auch die Diakonische Arbeitsgemeinschaft gleichberechtigt vertreten gewesen.

Die nun vorliegende Satzungsnovelle ist bei der ausgeklügelten Arithmetik der Regionalvertretung der Landesverbände sowie der Vertretung der Fachverbände geblieben. Eine Verkleinerung der satzungsgemäßen Gremien erfolgt nicht.

Das bedeutet für die Diakonische Arbeitsgemeinschaft, dass die Mitwirkungsmöglichkeiten in der Konferenz, im Aufsichtsrat und im Geschäftsführenden Ausschuss beibehalten worden sind. Auch die beiden wesentlichen Ausschüsse des Aufsichtsrates sind weiterhin mit je einer Person aus dem Bereich der Freikirchen zu beschicken.

Diese grundlegende Veränderung, Diakonie und Entwicklung in einer Organisation zusammenzufassen hat auch Folgen für die Diakonische Arbeitsgemeinschaft. Wir sind gefordert, diese Entwicklung auch in unserer Struktur besser abzubilden. Deshalb hat der Vorstand eine erneute Satzungsänderung der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft für die diesjährige Mitgliederversammlung vorgelegt. Darin enthalten ist der Vorschlag, die Diakonische Arbeitsgemeinschaft umzubenennen in „Arbeitsgemeinschaft evangelischer Kirchen für Diakonie und Entwicklung“.

Diese Satzungsänderung soll dabei auch flankiert werden von einem Neuzuschnitt der Geschäftsführung. Das ist momentan vordringliche Aufgabe des Vorstandes. Die Mitwirkungsmöglichkeit im größeren Gesamtwerk wie auch die Kommunikation zu den Mitgliedern muss deutlich verändert werden. Der satzungsgemäße Rahmen ist gegeben. Es ist an uns, ihn entsprechend auszufüllen.

Mit der Entscheidung des Verbandes freikirchliche Diakoniewerke seine Satzung zu öffnen für weitere Mitglieder, wird nun auch die Möglichkeit geschaffen, dass die diakonischen Einrichtungen der Freikirchen sich in einem eigenen Fachverband vertreten lassen können. Der Verband freikirchlicher Diakoniewerke ist Teil der Fachverbandskonferenz im EWDE.

Diese fachliche Plattform hat der DAeK bisher gefehlt. Es ist auch hier Sache der diakonischen Träger der Mitgliedskirchen in der DAeK, dieses Angebot zur Mitgliedschaft im Verband freikirchlicher Diakoniewerke aufzunehmen. Mit dieser erweiterten Struktur können fachverbandliche Positionen der diakonischen Rechtsträger in den Freikirchen besser abgebildet werden.

Mit 60 Jahren Diakonische Arbeitsgemeinschaft ist noch keine lange Geschichte geschrieben. Der Zusammenhalt in dieser Organisationsform aber hat sich bewährt in den vielfältigen Veränderungen in den zurückliegenden Jahren. An ihm festzuhalten, ihn zu stärken und weiterzuentwickeln ist die Aufgabe die vor uns liegt.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Stefan Süß