Die Teilhabe der Freikirchen und altkonfessionellen Kirchen am Evangelischen Entwicklungsdienst (EED e.V.)

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Von Jörg Schwieger

Im Jahr 1998 hat die Synode der EKD eine organisatorische Neuordnung im Bereich der Gemeinschaftsaufgabe des kirchlichen Entwicklungsdienstes beschlossen. Diesem Beschluss zufolge sollten die meisten selbständigen Einrichtungen sowie auch die organisatorisch nicht selbständig verfassten Arbeitsbereiche der Arbeitsgemeinschaft Kirchlicher Entwicklungsdienst (AG KED) am neu entstehenden deutschen Nord-Süd-Zentrum in Bonn zusammengeführt werden – mit Ausnahme der Aktion Brot für die Welt, die beim Diakonischen Werk in Stuttgart verbleiben sollte. 1.)

Von diesem Beschluss unmittelbar berührt waren Dienste in Übersee e.V. (Stuttgart), Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe e.V. (Bonn), der im Kirchenamt der EKD in Hannover ansässige Arbeitsstab des Kirchlichen Entwicklungsdienstes (KED), die Planungs- und Grundsatzabteilung der AG KED (Stuttgart), der Ausschuss für entwicklungsbezogene Bildung und Publizistik – ABP (Stuttgart) sowie Teile des Evangelischen Missionswerks in Deutschland – EMW (Hamburg), dort vor allem der weltweit mit Kirchensteuermitteln fördernde Bereich Kommunikation sowie das Referat für gesellschaftsbezogene Dienste.

Zur Umsetzung des Beschlusses der Synode wurde 1999 in Bonn der Evangelische Entwicklungsdienst e.V. (EED) gegründet – als »Sammelbecken« der von der organisatorischen Neuordnung berührten Einheiten. Die örtliche Zusammenlegung der Arbeitseinheiten in ein Bürogebäude in Bonn erfolgte 2001. 2003 kamen dann noch Teile des Ökumenischen Studienwerks e.V. (ÖSW) aus Bochum zum EED hinzu.

Verbunden mit dieser Zusammenführung war auch eine Neuordnung der Trägerschaft für die zuvor diesbezüglich unterschiedlich konstituierten und historisch z. T. über 4 Jahrzehnte gewachsenen Einrichtungen. Neben Kirchen – d.h. Gliedkirchen der EKD sowie Freikirchen – waren an der Trägerschaft zuvor auch andere kirchliche Einrichtungen und Werke beteiligt gewesen; im Fall von Dienste in Übersee e.V. beispielsweise u. a. die Evangelische Studierendengemeinde, die Evangelische Akademikerschaft, die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Akademien, die Evangelische Frauengemeinschaft und mehrere regionale Missionswerke.

Mit der Gründung des EED erfolgte nun eine Konzentrierung der Trägerschaft der hierin zusammengeführten Arbeitseinheiten des kirchlichen Entwicklungsdienstes auf Kirchen; die zuvor an der Trägerschaft beteiligten anderen kirchliche Einrichtungen und Werke setzten diese beim EED nicht fort.

Somit waren also als Träger des EED e.V., - d.h. in seiner Mitgliedschaft sowie seinen Gremien (Aussichtsrat, Bewilligungsausschuss) - bis zu seiner Verschmelzung mit dem Diakonischen Werk der EKD im Jahr 2013 nunmehr die Gliedkirchen der EKD und mit ihnen die Freikirchen weiterhin aktiv. Im Wesentlichen setzten die Freikirchen dabei ihre Trägerschaft einzelner Vorgängerorganisationen des EED in dem neuen Verbund fort. Aus der Tradition von Dienste in Übersee kommend wirkten seitens der evangelischen Freikirchen die Baptisten (Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden), die Methodisten (Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland) sowie die in der Vereinigung evangelischer Freikirchen (VEF) zusammengeschlossenen Freikirchen als Träger und Mitglieder des EED e.V. mit. Aus der Tradition der Evangelischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe kommend wirkte die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) als Träger und Mitglied des EED e.V. mit. Neu hinzu kamen bei der Gründung des EED in Bonn als Träger und Mitglied noch die Alt-Katholiken (Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland).

Ihre Vertretung bei den jährlichen Mitgliederversammlungen des EED nahmen die Freikirchen und altkonfessionellen Kirchen durch von ihnen benannte Personen war, die im Lauf der Jahre durchaus wechselten. Die Gremien des Vereins wurden unter Beteiligung der Freikirchen und altkonfessionellen Kirchen für die Amtszeiten gemäß der Satzung besetzt, insbesondere der Aufsichtsrat und der Bewilligungsausschuss. Für den 15- bzw. 16-köpfigen Aussichtsrat des EED regelte § 13 der Satzung, dass von den zwei vom Diakonischen Werk der EKD bestellten Mitglieder eines ein/e Vertreter/in der Alt-Katholiken oder der Selbständigen Lutheraner sein sollte und andernfalls die Alt-Katholiken und die Selbständigen Lutheraner gemeinsam ein Mitglied für dieses Gremium bestellten. Ebenso war geregelt, dass ein Mitglied des Aufsichtsrates von der Vereinigung evangelischer Freikirchen bestellt wurde – in der Praxis wurde dieser Sitz zumeist von den Methodisten wahrgenommen. Auch der vom Aufsichtsrat eingesetzte Bewilligungsausschuss als Gremium zur Vergabeentscheidung über die Projektmittel des EED an Partner in den verschiedenen Programmbereichen trug jeweils einer Vertretung der Freikirchen und altkonfessionellen Kirchen unter seinen Mitgliedern Rechnung. Für mehrere Jahre oblag der Vorsitz des Bewilligungsausschusses einem Vertreter der Freikirchen, nämlich dem Missionssekretär der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Die Freikirchen und altkonfessionellen Kirchen beteiligten sich in gewissem Umfang auch an den Finanzmitteln des EED. Anders als bei den Gliedkirchen der EKD geschah dies nicht durch eine prozentuale Umlage auf die Kirchensteuereinnahmen, sondern durch Zuwendungen aus dem Kollekten-Aufkommen dieser Kirchen.

Von besonderer Bedeutung für das Verständnis der Teilhabe der Freikirchen und altkonfessionellen Kirchen am Handeln des EED ist sodann ihr Vorkommen in den Programmbereichen – nämlich als Partner und Träger von geförderten Entwicklungsprojekten. Anders als aus historisch nachvollziehbaren Gegebenheiten in Deutschland sind die Präsenz und das Gewicht der Freikirchen und der altkonfessionellen Kirchen in der kirchlichen Landschaft vieler Partnerländer des EED wesentlich umfangreicher und bedeutsamer. Dementsprechend machten Projekte von Partnern mit freikirchlicher oder altkonfessioneller Prägung – sei es im Bereich der finanziellen Projektförderung oder der Beratung von Partnerorganisationen, sei es bei der Personalvermittlung an Partner oder bei der Förderung durch Stipendien – einen nennenswerten Anteil am Gesamtprogramm des EED aus. Statistische Erhebungen darüber wurden im EED allerdings nicht geführt, so dass die genaue Bezifferung des Anteils nicht möglich ist.

Auch bei den auf Deutschland zielenden Programmbereichen des EED, sei es bei der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit durch Gemeinden und Einrichtungen der Freikirchen und altkonfessionellen Kirchen oder bei Gemeindepartnerschaften oder öffentlichen Kundgebungen der Kirchen zu Entwicklungsfragen und Themenstellungen weltweiter Gerechtigkeit und Armutsbekämpfung, beteiligten sich diese Kirchen an den vom EED verantworteten Aktivitäten und Förderinitiativen.

Schließlich bleibt unter der Themenstellung auch der Blick auf die Mitarbeiterschaft des EED zu erwähnen. Generell galt für Mitarbeit im EED die sogenannte ACK-Klausel, d.h. ein Mitarbeiter / eine Mitarbeiterin musste Mitglied einer der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) angeschlossenen Kirche sein. Faktisch gab es im EED eine ganze Reihe Mitarbeitende, die Mitglieder von Freikirchen oder altkonfessionellen Kirchen waren, wobei ihr Anteil – im Rückblick betrachtet – nicht oberhalb des generellen Durchschnitts unter den Kirchenmitgliedern in Deutschland gelegen haben dürfte.

Berücksichtigung fanden die Freikirchen und altkonfessionellen Kirchen in den Reihen der Mitarbeitenden auch bei den EED-internen Fort- und Weiterbildungsangeboten zu kirchlichen Belangen sowie im spirituellen Leben im EED. Die allwöchentlichen Andachten wurden über die Jahre hin zum einen Teil von Mitarbeitenden selber – und dabei auch von Angehörigen der Freikirchen und altkonfessionellen Kirchen – gestaltet, zum andern Teil von aus den Gemeinden und der kirchlichen Trägerschaft des EED eingeladenen Gästen – unter Einschluss der Freikirchen und altkonfessionellen Kirchen.


Anmerkungen:

1.) Der Beschluss zur AG KED Strukturreform der 3. Tagung der 9. Synode der EKD in Münster vom 5. November 1998 hatte folgenden Wortlaut: »Die Synode nimmt aus dem Bericht des Lenkungsausschusses zur Kenntnis:

  • Zwischen den fünf Mitgliedern der AG KED besteht Konsens, ›ein gemeinsames Entwicklungswerk zu bilden, auch wenn zur Zeit Brot für die Welt diesem Werk nicht beizutreten in der Lage ist‹.
  • ›Kirchenkonferenz und Rat werden im Dezember den Rechtsrahmen beraten und möglichst schnell das neue Werk auf den Weg bringen‹.

Die Synode ist überzeugt, daß die unterschiedlichen Profile und Erfahrungen der AG KED zugunsten der gemeinsamen Aufgabe dienen werden. Die Gliedkirchen werden gebeten, ihrer Verantwortung für die Gemeinschaftsaufgabe des Kirchlichen Entwicklungsdienstes weiterhin gerecht zu werden. Die Synode bekräftigt das Ziel der Bildung eines gemeinsamen Entwicklungswerkes und bittet um einen Bericht über die erzielten Ergebnisse während der nächsten Synodentagung.«